Psychoanalytische Ansätze
Die Psychoanalyse wird auch als Redekur bezeichnet, denn das meiste, was man benennen kann,
das kann man auch verändern.
Allerdings braucht es häufig Zeit und vor allem Vertrauen, bis in den Urgrund der Verdrängung und Verneinung
gesunkenes Material zur Oberfläche aufsteigt und so einer Verarbeitung zugänglich wird.
Unter Psychoanalyse verstehen die meisten einen lange andauernden, anstrengenden Prozess. Herausfordernd ist psychoanalytische Arbeit sicherlich, aber eine über Jahre von einem Analytiker begleitete „never ending story“ muss sie keinesfalls werden. Im Kern ist psychoanalytisches Arbeiten nichts anderes als ein offenes Gespräch. Im Gegensatz jedoch zu einem Abend unter Freunden, von denen jeder, nahezu zu jedem Thema, einen guten Ratschlag oder zumindest eine Anmerkung hat, konzentriert sich die Psychoanalyse auf den Prozess des Erzählens. Was ist die Motivation des Sprechers, woher kommt diese oder jene Assoziation, was steht hinter den Worten, warum sagt jemand genau in diesem Moment etwas Doppeldeutiges – woher kommt dieser „Freudsche Versprecher“? Alles Gesagte hat eine Intention, hinter jeder Äusserung steht eine Absicht. Bewusst oder unbewusst drängt etwas heraus. Zu analysieren, wo dieses Material herkommt und warum es genau zum aktuellen Zeitpunkt an die Oberfläche des Bewusstseins steigt, das ist Psychoanalyse. Es ist ein spannender Prozess der Selbsterkenntnis, aber auch etwas, das nie endet. Mit steigender Bewusstheit für den analytischen Prozess nimmt nämlich auch die Fähigkeit der Problemwahrnehmung zu. Haben Sie die Technik der beobachtenden Wahrnehmung aber einmal verinnerlicht, können Sie getrost auf den Analytiker verzichten, denn ab hier gilt: Selbsterfahrung ist Welterfahrung. | Die grossen Lebensprobleme sind nie auf immer gelöst. C.G. Jung |